Nachdem ich letzte Woche meine Erfahrungen mit Marie Kondo geteilt habe, geht es heute um das Ausmisten an sich. Ausmisten ist ein Prozess. Und da bin ich ganz und gar anderer Meinung als Marie Kondo, die bekanntermaßen die Meinung vertritt: you tidy once and for all! In diesem Beitrag erläutere ich Dir warum ich Marie Kondo in diesem Punkt vehement widerspreche und stattdessen der Meinung bin, dass einmal Ausmisten nicht reicht.

 

Warum einmal Ausmisten nicht reicht

So provokant die These mit dem einmaligen Ausmisten ist – so gerne hätte ich sie geglaubt. Wenn mich nur mein Baby gelassen hätte. Mein großes Ausmisten fand während meiner Elternzeit statt, während ich meinen ein paar Monate alten Sohn betreut habe. Die Realität war also, dass ich in Zeitintervallen von ungefähr 20 – 60 Minuten ausgemistet habe, je nachdem wie lange das Nickerchen denn dauerte. Mein Ausmisten war also ein sehr iterativer Prozess – musste es sein, wenn ich es überhaupt machen wollte. Nach ein paar Tagen habe ich aber den großen Vorteil dieses Vorgehens festgestellt: Dinge, die in der ersten Runde wehmütig auf dem vielleicht-Stapel gelandet sind, habe ich in zweiten Runde ohne mit der Wimper zu zucken auf den das kann weg-Stapel sortiert.

Nun war das Vorgehen damals zugegebenermaßen ineffizient – es war schlicht eine Notwendigkeit in dieser Situation so vorzugehen- und nichts was ich empfehlen würde. Aber es hat mich skeptisch gemacht. Nun bin ich überzeugt, dass – so schön es auch klingen mag – einmal Ausmisten einfach nicht reicht, um sein Leben zu ordnen und minimalistischer zu leben. Ausmisten ist ein iterativer Prozess. Es ist mehr eine Philosophie als ein einmaliges Ereignis.

 

Ausmisten ist schwer

Ausmisten – das sagt Marie Kondo selbst – will gelernt sein. Dinge wegzugeben fällt uns nicht leicht. Unser prähistorisches Sammlergehirn startet sämtliche aber das könnte man brauchen, wenn… Schleifen, die man sich nur so vorstellen kann (warum das kein Grund sein sollte, kannst Du auch bei Sabine von A Hungry Mind nachlesen). Noch dazu trennen wir uns nicht gerne von Dingen, für die wir unser eigenes Geld investiert haben. Was für eine Verschwendung es doch wäre etwas wegzugeben, was wir gekauft haben – oder so ähnlich klingt die Stimme in unserem Kopf.

Noch schwerer ist es oft mit Dingen, die wir geschenkt bekommen haben. Meine Mutter hat mir vor Jahren ein Buch geschenkt, das ich unbedingt lesen wollte. Nur leider hat mir das Buch so gar nicht gefallen. Es war nicht nur kein nochmal lesen-Kandidat, sondern ein Hätte ich es doch nie gelesen Kandidat. Aber es war ein Geschenk. Noch dazu von meiner Mutter. Also – das stand außer Frage – blieb das Buch im Bücherregal stehen. Auch wenn ich mich jedes mal über dieses Buch geärgert habe. Aber die Schuldgefühle… So hat das Buch mehrere kleinere Ausmistaktionen überstanden, bis ich endlich verstanden hatte, dass niemandem geholfen ist, wenn ich das Buch behalte. Auch sagt das nichts, aber auch gar nichts über die Beziehung zu meiner Mutter aus, wenn ich das Buch verkaufe.

Vielleicht musste ich das Buch so lange behalten, um daran zu wachsen. Vielleicht war ich noch nicht bereit, dazu das Buch auszumisten. Egal. Mein Punkt ist: nur durch mehrmalige Ausmistaktionen habe ich mir immer wieder diese eine entscheidende Frage gestellt: möchte ich dieses Buch behalten?

In einem Punkt widerspreche ich Marie Kondo: ich bin der Meinung, dass einmal Ausmisten nicht reicht. | modernslow.com

 

Wir leben Veränderung

Wir entwickeln uns ständig weiter, manchmal konstant und stetig über einen längeren Zeitraum, manchmal sprunghaft durch besondere Ereignisse wie einen Umzug  oder eine andere Veränderung, wie eine Hochzeit, ein (weiteres) Kind, eine Trennung. Über die Zeit verändert sich mit uns auch die Benchmark, was wir als viel (oder zu viel) Besitz und was wir als wenig Besitz empfinden. Ich war lange Zeit sehr zufrieden mit unserem Status quo, bis ich während unseres Japan-Urlaubs realisiert habe, dass ich noch weniger brauche – schon allein, weil wir mit leichtem Gepäck gereist sind – und gerne noch weniger Dinge besitzen möchte. Und so kam die zweite Runde des großen Ausmistens.

Deine persönliche Entwicklung hält vor nichts an. Dinge, die uns einmal Freude gemacht haben, sind uns nicht mehr wichtig. Dinge, die wir früher ständig benutzt haben, sind in Vergessenheit geraten. Auch diese Veränderung bedeutet, dass ein regelmäßiges Ausmisten notwendig ist.

Nicht zuletzt bedeutet Ausmisten, dass wir uns von dem trennen, was nicht mehr unseren Prioritäten entspricht, was nicht zu unserem Leben im hier und jetzt passt. Ausmisten ist mit der Suche nach unseren Werten vergleichbar: wir besinnen uns auf unser innerstes Selbst und hinterfragen, was uns wirklich wichtig ist. Wir reduzieren, entledigen uns des unnötigen Ballasts und richten so unser Leben nach unseren Bedürfnissen aus.

 

Ich bin bei weitem nicht der Meinung, dass Ausmisten zu einer Art Sport werden sollte. Jedes Wochenende mit Ausmisten zu verbringen, wäre ein Schritte in die falsche Richtung. Das birgt zudem die Gefahr, dass man Ausmistet um des Ausmistens willen – und das ist nie der Sinn und Zweck (schon gar nicht, wenn man dadurch verleitet ist unreflektiert einzukaufen). Vielmehr soll das Ausmisten Dir dienen. Es soll Dein Leben bereichern, indem es Dinge aus Deinem Leben reduziert, die keinen Mehrwert und keine Freude mehr dazu beitragen. Damit es auch wirklich im Einklang mit Deinem Leben steht, muss es also mehr als einmal erfolgen – schließlich stehst Du auch nicht still.

 

Weniger Kram, mehr Klarheit!

Mockup ausmisten

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