Warum wir deinen Erfolg sehen wollen (und sollten)

Das Ziel ist nicht das Ziel. Das Ziel ist der Weg. Und wir wollen wissen, wie dein Weg war – damit wir den Mut haben unseren zu gehen. Ein Beitrag über Erfolg, Freiheit und den Mut, seine Erfolge zu zeigen.

 

Es ist also geschafft

Diss abgegeben und nun auch verteidigt. Und es fühlt sich ziemlich unspektakulär an. Kein innerlicher Freudentaumel. Kein “ich habe es geschafft!” Jubelschrei. Dieses Ereignis, das Ziel, das „herzlichen Glückwunsch, sie wurden nun promoviert“ fühlte sich ziemlich  unbedeutend im Vergleich zu dem Weg an, wenn ich ehrlich bin.

Versteh mich nicht falsch. Ich bin unheimlich dankbar. Für die Unterstützung von so vielen Seiten. Für die Bekanntschaften und Freundschaften. Für all die Erkenntnisse auf diesem Weg. Natürlich feiere ich. Nur verblasst das Ziel angesichts des Weges.

Wie sehr, das wurde mir erst bewusst, als der Weg zu Ende und das Ziel erreicht war.

 

Und so feiere ich, wer ich durch diese 5 Jahre geworden bin

Als ich damals am Lehrstuhl angefangen habe, war die Vorstellung vor anderen zu sprechen, meine Arbeit vorzustellen und zu verteidigen, erfahreneren Experten Rede und Antwort zu stehen und einzustecken, dass jemand fachlich ganz anderer Meinung ist, eine die mir Angst machte.

Nicht mehr.

Ich feiere, dass auf diesem Weg aus einer zurückhaltenden, manchmal schüchternen jungen Frau eine Frau geworden ist, über die sich ein männlicher Teilnehmer der Prüfungskommission beschwert, sie wäre ihm zu selbstbewusst.*

 

Ja, als ich da stand mit meiner Präsentation, war ich selbstbewusst.

Weil ich weiß, dass meine Arbeit nicht perfekt ist, aber ich auch weiß, dass mein Wert, und mein Selbstwert, davon nicht abhängt. Ich feiere diese Freiheit, denn ohne den Weg hätte ich sie nicht.

Und doch, ich fühle mich immer noch und immer wieder komisch, anderen von meinen Ergebnissen und Erfolgen zu erzählen.

Dieser Weg ist noch nicht zu Ende. Es gibt einen Teil in mir, der hätte es am liebsten niemandem erzählt, dass mein TED-Talk  online ist. Und es gibt tatsächlich Leute, denen ich noch immer nicht davon erzählt habe. Weil es einfacher ist, nichts zu sagen. Weil ich so nicht die Aufmerksamkeit auf mich ziehe. Weil ich mich so nicht angreifbar mache.

 

Warum du deinen Erfolg ruhig zeigen kannst. Weil wir deinen Erfolg sehen wollen.

Nur das gehört auch zu einem gesunden Selbstwertgefühl.

 

Nicht nur die fachlichen Fakten selbstsicher vortragen, sondern mit der gleichen Selbstverständlichkeit die eigene Leistung zeigen.

Viele meiner männlichen Kollegen, die ich in meinem bisherigen Arbeitsleben kennengelernt habe, haben keinerlei Hemmungen, Scheu oder Selbstzweifel regelmäßig vor dem Chef, den Kollegen oder anderen Leuten auf ihre Erfolge und Ergebnisse hinzuweisen.

 

Und niemand kreidet es ihnen an.

 

Naja, nicht unbedingt niemand. Ein paar Leute schon.

Die sich damit unwohl fühlen, sich selbst darzustellen. Die es zwar versuchen wollen, aber nicht über den eigenen Schatten springen, nicht die eigene Komfortzone verlassen.

Und ja, ich zähle mich manchmal leider auch dazu. Auch ich verdrehe manchmal noch innerlich (oder weithin sichtbar) die Augen, wenn einer der Männer mal wieder loslegt und seine Jagdtrophäen auspackt und detailliert.

Nur genauso wie die Aussage des Teilnehmers meiner Prüfungskommission, dass ich ihm zu selbstbewusst auftrete mehr über ihn als über mich aussagt, so sehr sagt mein Augenverdrehen über die Jagdtrophäen der anderen etwas über mich aus.

 

Es ist vollkommen in Ordnung, nur für sich den Weg zu zelebrieren

Die Veränderung an sich selbst wahrzunehmen und zu bestaunen. Und zu wissen, dass das genug ist – für dich, für dein eigenes Selbstwertgefühl.

Aber gerade wir Frauen sollten auch üben, auf unsere eigenen Ergebnisse und Erfolge hinzuweisen.

Damit es normaler wird.

Damit wir gemeinsam wachen können.

Damit wir anderen Frauen sehen, was möglich ist.

Damit andere sehen, was wir zu leisten vermögen- denn Tatsache ist, die anderen sind meist mit sich selbst beschäftigt und nehmen gar nicht wahr, was wir leisten und erreichen.

Und nicht zuletzt damit wir uns selbst nicht schlecht fühlen, wenn wir – versuchen – über unsere eigenen Erfolge zu sprechen.

 

Natürlich wollen wir deinen Erfolg sehen

Ja, es gibt diese Tage, an denen jeder noch so kleine Erfolg oder einfach nur das Bild eines schön gedeckten Frühstückstisches eine negative Vergleichsspirale in Gang setzt. Nur, seien wir ehrlich: an diesen Tagen ist es schon fast egal, was andere tun oder lassen, was sie erreichen oder selbst woran sie scheitern. An den Tagen mögen wir uns selbst nicht. Wiederum, unser Problem mit den anderen, hat am Ende mehr mit uns als mit den anderen zu tun.

 

An allen anderen Tagen freue ich mich einfach, wenn eine von uns einen kleinen oder großen Erfolg verkündet.

Weil es mich stolz macht, Frauen zu kennen, die mich inspirieren. Weil es mir Mut macht. Weil es mir Möglichkeiten zeigt, die ich selbst nicht gesehen hätte.

 

Wir brauchen beides

Die tiefe Zufriedenheit sich selbst zu genügen UND den Mut anderen davon zu erzählen.

Wo genau wir die Linie ziehen, ist individuell und mag sich verändern, je mehr wir zu uns selbst finden.

 

Aber “ich lasse einfach mal meine Erfolge für sich sprechen” ist zu wenig

Denn oft hat diese Einstellung mehr mit unserer Angst vor Aufmerksamkeit zu tun als mit tatsächlichem Großmut und Selbstwertgefühl. Oft steht dahinter das genaue Gegenteil.

 

Zeit das zu ändern. 

Wir wollen sie sehen, deine Erfolge! Wir brauchen sie, damit wir den Mut haben, zu wachsen. Also zeig sie uns, deine Erfolge!

Genauso wie ich feiere, wer ich auf diesem Weg geworden bin, so hast auch du kleine und große Veränderungen erreicht, die du es dir verdient hast, zu feiern. Und genauso wie ich mir die 10.000 Gründe warum ich diesen Artikel nicht veröffentlichen sollte, ausgeredet habe, kannst du dir die 10.000 Gründe ausreden, warum du deine ganz persönlichen Erfolge, JETZT gerade nicht teilen solltest.

Ich meine es ernst: Wir wollen sie sehen, deine Erfolge!

 

Hab Mut und zeig sie uns in den Kommentaren…

 

 

*Was diese Aussage über sein Weltbild und unsere Arbeitswelt sagt, ist eine Geschichte für einen anderen Tag…

 

 

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