Warum einmal Ausmisten nicht reicht

Nachdem ich letzte Woche meine Erfahrungen mit Marie Kondo geteilt habe, geht es heute um das Ausmisten an sich. Ausmisten ist ein Prozess. Und da bin ich ganz und gar anderer Meinung als Marie Kondo, die bekanntermaßen die Meinung vertritt: you tidy once and for all! In diesem Beitrag erläutere ich Dir warum ich Marie Kondo in diesem Punkt vehement widerspreche und stattdessen der Meinung bin, dass einmal Ausmisten nicht reicht.

 

Warum einmal Ausmisten nicht reicht

So provokant die These mit dem einmaligen Ausmisten ist – so gerne hätte ich sie geglaubt. Wenn mich nur mein Baby gelassen hätte. Mein großes Ausmisten fand während meiner Elternzeit statt, während ich meinen ein paar Monate alten Sohn betreut habe. Die Realität war also, dass ich in Zeitintervallen von ungefähr 20 – 60 Minuten ausgemistet habe, je nachdem wie lange das Nickerchen denn dauerte. Mein Ausmisten war also ein sehr iterativer Prozess – musste es sein, wenn ich es überhaupt machen wollte. Nach ein paar Tagen habe ich aber den großen Vorteil dieses Vorgehens festgestellt: Dinge, die in der ersten Runde wehmütig auf dem vielleicht-Stapel gelandet sind, habe ich in zweiten Runde ohne mit der Wimper zu zucken auf den das kann weg-Stapel sortiert.

Nun war das Vorgehen damals zugegebenermaßen ineffizient – es war schlicht eine Notwendigkeit in dieser Situation so vorzugehen- und nichts was ich empfehlen würde. Aber es hat mich skeptisch gemacht. Nun bin ich überzeugt, dass – so schön es auch klingen mag – einmal Ausmisten einfach nicht reicht, um sein Leben zu ordnen und minimalistischer zu leben. Ausmisten ist ein iterativer Prozess. Es ist mehr eine Philosophie als ein einmaliges Ereignis.

 

Ausmisten ist schwer

Ausmisten – das sagt Marie Kondo selbst – will gelernt sein. Dinge wegzugeben fällt uns nicht leicht. Unser prähistorisches Sammlergehirn startet sämtliche aber das könnte man brauchen, wenn… Schleifen, die man sich nur so vorstellen kann (warum das kein Grund sein sollte, kannst Du auch bei Sabine von A Hungry Mind nachlesen). Noch dazu trennen wir uns nicht gerne von Dingen, für die wir unser eigenes Geld investiert haben. Was für eine Verschwendung es doch wäre etwas wegzugeben, was wir gekauft haben – oder so ähnlich klingt die Stimme in unserem Kopf.

Noch schwerer ist es oft mit Dingen, die wir geschenkt bekommen haben. Meine Mutter hat mir vor Jahren ein Buch geschenkt, das ich unbedingt lesen wollte. Nur leider hat mir das Buch so gar nicht gefallen. Es war nicht nur kein nochmal lesen-Kandidat, sondern ein Hätte ich es doch nie gelesen Kandidat. Aber es war ein Geschenk. Noch dazu von meiner Mutter. Also – das stand außer Frage – blieb das Buch im Bücherregal stehen. Auch wenn ich mich jedes mal über dieses Buch geärgert habe. Aber die Schuldgefühle… So hat das Buch mehrere kleinere Ausmistaktionen überstanden, bis ich endlich verstanden hatte, dass niemandem geholfen ist, wenn ich das Buch behalte. Auch sagt das nichts, aber auch gar nichts über die Beziehung zu meiner Mutter aus, wenn ich das Buch verkaufe.

Vielleicht musste ich das Buch so lange behalten, um daran zu wachsen. Vielleicht war ich noch nicht bereit, dazu das Buch auszumisten. Egal. Mein Punkt ist: nur durch mehrmalige Ausmistaktionen habe ich mir immer wieder diese eine entscheidende Frage gestellt: möchte ich dieses Buch behalten?

In einem Punkt widerspreche ich Marie Kondo: ich bin der Meinung, dass einmal Ausmisten nicht reicht. | modernslow.com

 

Wir leben Veränderung

Wir entwickeln uns ständig weiter, manchmal konstant und stetig über einen längeren Zeitraum, manchmal sprunghaft durch besondere Ereignisse wie einen Umzug  oder eine andere Veränderung, wie eine Hochzeit, ein (weiteres) Kind, eine Trennung. Über die Zeit verändert sich mit uns auch die Benchmark, was wir als viel (oder zu viel) Besitz und was wir als wenig Besitz empfinden. Ich war lange Zeit sehr zufrieden mit unserem Status quo, bis ich während unseres Japan-Urlaubs realisiert habe, dass ich noch weniger brauche – schon allein, weil wir mit leichtem Gepäck gereist sind – und gerne noch weniger Dinge besitzen möchte. Und so kam die zweite Runde des großen Ausmistens.

Deine persönliche Entwicklung hält vor nichts an. Dinge, die uns einmal Freude gemacht haben, sind uns nicht mehr wichtig. Dinge, die wir früher ständig benutzt haben, sind in Vergessenheit geraten. Auch diese Veränderung bedeutet, dass ein regelmäßiges Ausmisten notwendig ist.

Nicht zuletzt bedeutet Ausmisten, dass wir uns von dem trennen, was nicht mehr unseren Prioritäten entspricht, was nicht zu unserem Leben im hier und jetzt passt. Ausmisten ist mit der Suche nach unseren Werten vergleichbar: wir besinnen uns auf unser innerstes Selbst und hinterfragen, was uns wirklich wichtig ist. Wir reduzieren, entledigen uns des unnötigen Ballasts und richten so unser Leben nach unseren Bedürfnissen aus.

 

Ich bin bei weitem nicht der Meinung, dass Ausmisten zu einer Art Sport werden sollte. Jedes Wochenende mit Ausmisten zu verbringen, wäre ein Schritte in die falsche Richtung. Das birgt zudem die Gefahr, dass man Ausmistet um des Ausmistens willen – und das ist nie der Sinn und Zweck (schon gar nicht, wenn man dadurch verleitet ist unreflektiert einzukaufen). Vielmehr soll das Ausmisten Dir dienen. Es soll Dein Leben bereichern, indem es Dinge aus Deinem Leben reduziert, die keinen Mehrwert und keine Freude mehr dazu beitragen. Damit es auch wirklich im Einklang mit Deinem Leben steht, muss es also mehr als einmal erfolgen – schließlich stehst Du auch nicht still.

 

Marie Kondo ist der Guru für das Ausmisten. Was sind meine Erfahrungen - über ein Jahr nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe? | modernslow.com

Ausmisten mit Marie Kondo – mein Langzeitexperiment

Wenn man über das Ausmisten nachdenkt, dann begegnet man früher oder später Marie Kondo oder The KonMari Way. Ich habe das Buch das erste Mal vor über einem Jahr gelesen während ich umfassend ausgemistet habe. Nun, nach unserem Japan-Urlaub war ich inspiriert und habe eine neue Runde gestartet und deshalb das Buch noch einmal gelesen. In diesem Beitrag stelle ich Euch die wesentlichen Tipps aus Marie Kondo’s Buch vor und berichte Euch von meinen bisherigen Erfahrungen nach über einem Jahr mit Marie Kondo’s Tipps.

 

Auf die Reihenfolge kommt es an

Laut Marie Kondo sollte man nicht nach Zimmern oder Schrankweise ausmisten, sondern nach Kategorien. Marie Kondo empfiehlt sogar eine bestimmte Reihenfolge. So solltest Du mit Kleidung starten und dann über Bücher, Pflegeprodukte, Elektronik, usw Dich zur letzten Kategorie, den sentimentalen Gegenständen vorarbeiten. Die Idee ist, dass man mit den Kategorien startet, die leichter auszusortieren sind, da man eine weniger starke Bindung zu den Gegenständen hat. Nach Kategorien vorzugehen hat absolut seinen Reiz, da man so den Überblick hat, was man alles besitzt. Auch die Empfehlung mit der Kleidung zu starten, kann ich so unterschreiben. Für mich war das Ausmisten meines Kleiderschranks und das Erstellen einer Capsule Wardrobe definitiv ein wichtiger Schritt hin zu einem minimalistischeren Leben.

Bei meiner aktuell laufenden zweiten Ausmistaktion gehe ich allerdings nicht in dieser Reihenfolge vor. Ich arbeite mich zwar durch die Kategorien, aber begonnen habe ich nicht mit der Kleidung, sondern mit den Pflegeprodukten. Da ich das Ausmisten parallel zum Tagesgeschehen mache, ist für mich Zeit der Faktor, der entscheidet was nun ausgemistet wird. Mein Eindruck ist, dass die Reihenfolge der Kategorien als Ausmist-Veteran eine durchaus weniger wichtige Rolle spielt. Als Ausmist-Neuling empfehle ich Dir auf jeden Fall mit der Kategorie zu beginnen, zu der Du die geringste Bindung hast, vermutlich Pflegeprodukte oder Kleidung und Dich dann analog zu Marie Kondo zu den sentimentalen Kategorien vorzuarbeiten.

 

Alles muss raus!

Du sollst natürlich nicht alles, was Du besitzt, entsorgen. Aber, wenn Du Dich einer Kategorie widmest, empfiehlt Marie Kondo alle Teile dieser Kategorie aus den Schränken zu holen. Du willst Deine Kleidung ausmisten – vielleicht weil Du eine Capsule Wardrobe erstellen möchtest? Dann hol alle Kleidungsstücke aus den Schränken, aus den Wäschekörben, den Schubladen und Kisten. Ganz schön viel oder? Das ist der erste Vorteil dieser Methode und etwas was ich uneingeschränkt empfehle. Egal welche Kategorie Du aussortierst: sich vor Augen zu führen, wie viel man besitzt, ist schockierend – und motivierend zugleich.

Außerdem kannst Du so Kaufmuster erkennen. Gibt es Dinge, die Du immer und immer wieder kaufst? Kaufst Du ständig neue Strumpfhosen, weil Du vergessen hast, wo Du die Notfallstrumpfhose hingeräumt hast? Besitzt Du mehrere schwarze Jeanshosen, obwohl Du immer nur eine trägst? Hast Du mehrere Röcke, die Du noch nie getragen hast, weil Du Dich irgendwie doch nicht darin wohl fühlst? Dieses Wissen über Dein Kaufverhalten ist unheimlich wertvoll, um in Zukunft bewusster einzukaufen – schließlich willst Du ja nicht ein paar Monate später schon wieder vor einem ähnlich großen Berg an Kleidung stehen.

 

Does it spark joy?

Does it spark joy? ist wohl der Satz schlechthin, den man mit Marie Kondo verbindet. Marie Kondo empfiehlt alle Gegenstände in die Hand zu nehmen und sich dabei genau das zu fragen: does it spark joy? Nur wenn der Gegenstand Freude in Dir auslöst, behältst Du ihn. Wenn nicht, wird er aussortiert.

Ich muss gestehen, als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, war ich diesem Satz gegenüber ziemlich skeptisch. Für mich klang er ein wenig esoterisch. Vor allem im Vergleich zu klar definierten Kriterien wie habe ich den Gegenstand in den letzten 12 Monaten benutzt?. Aber inzwischen verstehe ich ihr Argument. Ein Gegenstand der uns keine Freude bringt, ist ein Gegenstand den wir nicht vermissen. Also warum nicht aussortieren? Zudem finde ich es schön, dass Marie Kondo’s Kriterium does it spark joy? sich darauf konzentriert, Dinge zu identifizieren, die wir behalten möchten. Positivauswahl statt Negativliste.

Dennoch, gerade am Anfang des Ausmistens, haben harte Kriterien, wie habe ich den Gegenstand in den letzten 12 Monaten benutzt? einen Vorteil: sie sind greifbarer und leichter umzusetzen. Beim Ausmisten stelle ich mir daher mehrere Fragen: bringt mir dieser Gegenstand Freude? Habe ich den Gegenstand in den letzten 12 Monaten benutzt? Wenn ich noch einmal bei einem Umzug nur wenige Boxen mitnehmen könnte, würde ich den Gegenstand mitnehmen?

Marie Kondo ist der Guru für das Ausmisten. Was sind meine Erfahrungen - über ein Jahr nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe? | modernslow.com

 

Kleider-Origami oder die Kunst Wäsche zu falten

Marie Kondo empfiehlt Kleidung gefaltet und nicht auf Kleiderbügeln hängend zu lagern. Spezieller Twist: die Kleidung wird nicht flach gefaltet, wie Du sie im Laden findest, sondern hochkant, so dass die Kleidung auf der Kante steht. Ganz ehrlich, als ich das das erste Mal gelesen hatte, schwankte meine Reaktion zwischen was für ein Käse und das funktioniert nie. Aber die Technik hat einige Vorteile und trotz meiner anfänglichen Skepsis benutze ich diese Methode nun seit über einem Jahr sehr erfolgreich für den Großteil meines Kleiderschranks. Hemden und Kleider befinden sich weiterhin auf Kleiderbügeln. Der Rest ist tatsächlich hochkant gefaltet. Das klappt übrigens ganz intuitiv, wenn man einfach mal ein Kleidungsstück in die Hand nimmt und es ausprobiert.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Technik: man sieht auf einen Blick was man besitzt. Denn mal ehrlich: das T-Shirt, das unten im Stapel liegt, tragen wir nie. Aus den Augen, aus dem Sinn. Weiterer Vorteil: wenn ich mich beim Anziehen umentscheide, ist die Ordnung schnell wieder hergestellt. Aber wehe man zieht ein Kleidungsstück aus einem Stapel mit flach gefalteter Kleidung heraus…

 

Alles hat seinen Platz

Marie Kondo empfiehlt, dass alle Gegenstände einer Kategorie an einem Ort aufgeräumt werden sollten. Ihre Theorie: unser Zuhause wird wieder und wieder unordentlich, weil wir nicht wissen wohin wir all die Gegenstände, die wir besitzen aufräumen sollen. Ja, da hat die Gute den Nagel auf den Kopf getroffen. Wann immer Dinge bei uns zu Hause einfach so rumliegen, hat das genau diesen Grund: wir sind uns nicht so ganz sicher, wo das Teil hingehört. Insgesamt war dieser Rat von Marie Kondo am schwierigsten umzusetzen und durchzuhalten. Das wurde mir so richtig bei meiner aktuellen Ausmistaktion bewusst, denn viele Dinge, die ich dieses mal ausgemistet habe, waren Duplikate.

 

Zusammenfassend, ist Marie Kondo’s Buch absolut empfehlenswert, wenn Du Ausmisten möchtest. Das Buch hat viele wertvolle Tipps, die helfen diese riese Aufgabe leichter umsetzbar zu gestalten. Muss man das Buch gelesen haben, bevor man mit dem Ausmisten startet? Absolut nicht. Ich bin der Meinung, dass beim Ausmisten vor allem eines zählt: dass Du anfängst. Du kannst klein anfangen, z.B. mit Deiner Handtasche, oder Du nimmst Dir gleich Deinen Kleiderschrank vor. Ja, wenn Du klein anfängst, arbeitest Du nicht eine gesamte Kategorie ab. Aber das ist in Ordnung. Ausmisten ist ein Prozess. Mehr dazu nächste Woche

Bis dahin würde mich interessieren:

Hast Du schon einmal umfassend ausgemistet?

Was war der Auslöser für Dein Ausmisten?

 

Eine Capsule Wardrobe kann Dein Leben um sovieles vereinfachen. Wie damit beginnen? Tipps findest Du auf Modern Slow. | modernslow.com

5 Tipps für Deine (erste) Capsule Wardrobe

Hast Du den Entschluss eine Capsule Wardrobe zu machen? Was nun? Eine Capsule Wardrobe zu erstellen, klingt zunächst einmal gar nicht so leicht. Zugegeben, gerade die erste Capsule Wardrobe zu erstellen kostet etwas Zeit, aber nach über einem Jahr mit Capsule Wardrobes kann ich Dir auch sagen: mit dem richtigen System wirst Du immer weniger Zeit benötigen. Und Du wirst Dir damit unheimlich viel Zeit und Energie in Deinem Alltag sparen. Also: Du bist bereit? In diesem Beitrag stelle ich Dir meine Top 5 Tipps für Deine (erste) Capsule Wardrobe vor.

 

Tipp 1: Miste vorher aus

Ja, Du würdest am liebsten sofort mit Deiner Capsule Wardrobe starten. Aber halt! Es führt kein Weg daran vorbei: den Kleiderschrank ordentlich auszumisten ist essentiell für Deine Capsule Wardrobe. Weißt Du was da so alles in Deinem Kleiderschrank schlummert? Wenn Du nicht vor kurzem ausgemistet hast, würde ich wetten, dass Du überrascht sein wirst von so manchen Teilen, die Du in den Untiefen Deines Kleiderschranks findest. Genauso ging es mir auch. Zudem wird es viel leichter Deine Capsule Wardrobe zu erstellen, wenn Deine Ausgangsbasis Kleidungsstücke sind, die Dir passen und die Du wirklich trägst. Also bevor es richtig los geht, hole alles aus Deinem Kleidungsschrank heraus – ganz im Stil von Marie Kondo und miste so richtig aus.

 

Tipp 2: Keine Schubladen… im Kopf!

Ja, Deinen Stil zu kennen oder zu finden, ist wichtig – das sage ich selbst. Aber setze Dich nicht zu sehr unter Druck. Der Frauenzeitschriften-Tipp Deinen Stil mit drei Adjektiven zusammenzufassen oder drei Stilikonen zu identifizieren kann zwar hilfreich sein, aber ist keineswegs so essentiell wie mache uns das glauben machen wollen. Natürlich, wenn Du das weißt, hilft Dir das sicherlich, um Deine Garderobe danach auszurichten. Aber es ist keine Voraussetzung. Ich habe noch keine dieser Übungen gemacht – und wüsste aus dem Stehgreif weder die drei richtigen Adjektive noch bekannte Persönlichkeiten, die meinen Stil treffen. Dennoch war und bin ich sehr zufrieden mit meinen Capsule Wardrobes.

Versuche Dich nicht in irgendwelche Schubladen zu pressen, nur um der Schubladen willen. Denke über Deinen Stil nach und wenn Du Ideen im Kopf hast, dann lege los!

 

 

 Wie erstellt man eine Capsule Wardrobe? Vor allem wenn es die erste ist? | modernslow.com

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Tipp 3: Mach Dein Ding

Es gibt mehrere Konzepte im Internet was eine Capsule Wardrobe ist und wie viele Teile sie umfassen darf. Ich persönlich finde die Frage, ob es nun 33 oder 37 Teile sein dürfen, vollkommen nebensächlich. Auch die Frage, welche Kategorien nun Teil Deiner Capsule Wardrobe sind, ist für mich etwas, was man nach seinen Bedürfnissen beantworten kann. Typischerweise sind Accessoires Teil der 33 (oder 37) Teile. Ich für mich habe diese Kategorie ausgeschlossen. Nicht weil ich mir ein Hintertürchen bauen wollte, sondern weil ich so gut wie keine Accessoires besitze oder trage. Die Regeln sind ein toller Ausgangspunkt, aber verbiege Dich nicht nur um der Regeln willen. Gestalte die Regeln, dass sie zu Dir und Deinem Lebensstil passen – und dem eigentlichen Ziel dienen: eine Garderobe zusammenzustellen, die Dein Leben vereinfacht und gleichzeitig bereichert.

 

Tipp 4: Kaufe nicht zu viel bevor es losgeht

Ein weiterer Aspekt, wo ich bewusst von den “Regeln” abweiche: sowohl Project333 als auch unfancy empfehlen vor Beginn der Capsule Wardrobe das Shopping dafür zu erledigen. Ich verstehe und unterstütze die Intention: begrenze Dein Shoppen und kaufe nur ganz bewusst ein. Aber ich bin der Meinung, dass die Prämisse alle Teile vor Beginn der Capsule Wardrobe haben zu müssen, einen Druck aufbaut, der vollkommen unnötig ist. Vielmehr bin ich der Meinung, dass eine Shopping-Deadline nur dazu führt, Kleidungsstücke zu kaufen, die ok sind – damit man sie eben hat, da man ja die nächsten 3 Monate nicht mehr einkaufen darf. Aber die Idee der Capsule Wardrobe ist es doch nur noch Kleidungsstücke zu kaufen, die wirklich 100% passen, Kleidnungsstücke, die man wieder und wieder anziehen wird. Mein Tipp daher: kaufe Kleidungsstücke bewusst ein – egal ob vor oder während der Capsule Wardrobe.

Tipp 5: Hab Freude daran

Allen voran: hab Freude daran Deine Capsule Wardrobe zusammenzustellen und damit zu leben. Seinen Stil zu finden und die “perfekte” Capsule Wardrobe zu erstellen kann dauern – zudem entwickeln wir uns ständig weiter. Es wird also nie langweilig. Manche Deiner Capsule Wardrobes werden fantastisch zu Dir passen und andere brauchen ein paar Änderungen. Aber Teile auszutauschen hat nichts mit Versagen zu tun. Du hast etwas dazu gelernt, über Dich, Deine Werte und Deinen Stil. Viele von uns, mich eingeschlossen, kämpfen mit Perfektionismus und das ist nicht nur unheimlich anstrengend, sondern auch voll und ganz fehl am Platz. Also, die 30/33/37/40 (oder wie viele auch immer) Kleidungsstücke müssen nicht perfekt sein. Freue Dich über die Stücke, die perfekt zu Dir und Deinem Leben passen und lerne aus allen anderen Kleidungsstücken.

 

Viel Erfolg und Freude bei Deiner Capsule Wardrobe!

10 Tipps um bewusster einzukaufen

Ausmisten ist wichtig – keine Frage. Aber Minimalismus als wegwerfen, ausmisten und minimieren zu verstehen, greift meiner Meinung nach zu kurz. Wichtig nämlich auch die andere Seite: was Du in Deine Wohnung und Dein Leben rein lässt. Minimalismus ist für mich daher mindestens genauso sehr mit einem Umdenken auf der Einkaufsseite verbunden. Denn ehrlich: was für eine Verschwendung wäre das denn weiterhin, oftmals impulsiv, Dinge zu kaufen, nur um sie dann kurze Zeit später wieder auszumisten. In diesem Beitrag stelle ich Dir 10 Tipps vor, wie Du in Zukunft bewusster einkaufen kannst.

 

10 Tipps um bewusster einzukaufen

Weihnachtszeit ist Einkaufszeit. Geschenke und Saleangebote an allen Orten und wir mittendrin. Wir wollen anderen und uns etwas Gutes tun – und da sitzt der Geldbeutel schon mal ein bisschen lockerer als sonst. Damit Dich nicht der Shopping-Kater übermannt, habe ich hier 10 Tipps für Dich zusammengestellt, damit Du in Zukunft bewusster einkaufen wirst.

 

1 Was habe ich schon?

Dieser Schritt ist unheimlich wichtig – und doch oft so schwierig. Wer weiß schon, was so alles in der eigenen Wohnung schlummert?!? Oft ist es aber so, dass wir Dinge bereits besitzen oder zumindest ein Ding besitzen, das die gewünschte Funktion erfüllen kann. Frage Dich also brauche ich das wirklich? bevor Du etwas kaufst. Wenn Du diese Frage nicht absolut sicher mit ja beantworten kannst, dann warte ab mit dem Kauf und suche gezielt in Deiner Wohnung oder Deinem Kleiderschrank nach Alternativen.

2 Was will ich?

Wenn Du im Laden (auch Online!) stehst, ist Deine Antwort vermutlich: DAS – das was ich da gerade in meinen Einkaufswagen gelegt habe. Aber ehrlich? Was willst Du wirklich? Sei Dir bewusst, über die Dinge, die Du wirklich brauchst – und welche Eigenschaften dieses Ding haben sollte. Das gilt für alles, vom Küchengerät zur Kleidung. Sei achtsam, wenn Du vor dem Kleiderschrank stehst und merkst, dass genau dieses eine Teil fehlt – das hautfarbene Top, damit Du Dich nicht so nackt in dem weißen Oberteil fühlst, die blickdichte Strumpfhose, damit Du Dich wohler in einem Rock fühlst. Sei achtsam, wenn Du Dich im Haushalt ärgerst, weil ein Teil nicht die Funktionen hat, die Du Dir wünschst.

 

3 Der gute alte Wunschzettel

Und wenn Du weißt, was Du möchtest? Dann schreibst Du es erst einmal auf. Wie Kinder, die einen Wunschzettel für Weihnachten anfertigen, habe ich einen Wunschzettel das ganze Jahr über. Dort notiere ich alles, was ich gerne kaufen möchte – vom roten Lippenstift über die Jeans im perfekten schwarzgrau, zum neuen Kameraobjektiv. Klingt übertrieben? Mir hilft es unheimlich – und ich bin nicht allein. Meine Freundin Ann-Kathrin hat ihrem Wunschzettel kürzlich auch neues Leben eingehaucht. Dinge niederzuschreiben hilft, den ersten Impuls etwas zu kaufen zu befriedigen – ohne, dass Du Geld ausgegeben hast. Manchmal verfliegt der Wunsch etwas zu kaufen sogar, sobald ich es niedergeschrieben habe. Die Wunschliste kannst Du auch – wie einen Einkaufszettel im Supermarkt – mitnehmen, wenn Du shoppen gehst und so sicher stellen, dass Du nur mit den Dingen nach Hause kommst, die Du wirklich wolltest.

Achtsamkeit hat umfassende Auswirkungen auf mein Leben. | modernslow.com

 

 

4 Lege ein Budget fest

Deine Wünsche auf einen Wunschzettel zu schreiben hat noch einen weiteren Vorteil. Es zeigt Dir, dass jede Kaufentscheidung ein Tradeoff ist. Die meisten von uns können nicht losziehen und alle Dinge auf unserem Wunschzettel aufeinmal kaufen. Wir müssen also priorisieren. Dazu kannst Du ein Budget festlegen, das Du für die Wunscherfüllung zur Verfügung hast. Und dann ist die Frage: was ist wichtig genug, dass Du es als erstes kaufst? Und: welche Wünsche willst Du eigentlich gar nicht erfüllen, denn es würde bedeuten, dass Du das Geld nicht für andere Wünsche zur Verfügung hast?

 

5 Lass Dir Zeit

Deine Wunschliste ist geschrieben. Und nun? Warten. Lass etwas Zeit vergehen, so kannst Du Dir über Deine Präferenzen klar werden. Und manchmal lösen sich Wünsche auch einfach in Luft auf. Wenn Du dann tatsächlich im Laden stehst, lass Dir auch dort Zeit. Es ist Dein Geld – denk an die Energie und Zeit, die Du aufgewendet hast, um es zu verdienen. Du willst diese Energie und Zeit nicht auf etwas verschwenden, was Du wenige Monate später wieder ausmistest. Probiere Dein Wunschprodukt aus, ziehe die Kleidung in Ruhe an. Nimm Dir die Zeit herauszufinden, ob es wirklich das ist was Du suchst. Und sofern möglich: vertage den tatsächlichen Kauf. Lass Dir das Stück reservieren oder hoffe das beste und komm später wieder, aber lass Zeit vergehen zwischen dem Moment der Freude darüber, ein Teil Deiner Wunschliste gefunden zu haben und dem Moment, in dem Du Deine Karte zückst. Reflektiere in Ruhe und tätige dann den Kauf, wenn Du sicher bist, dass die Entscheidung rational begründet ist.

 

Bewsusster einkaufen ist möglich - auch in der Weihnachtszeit, wenn Du allerorts zum Konsum animiert wirst. | modernslow.com

6 … drum prüfe, was sich ewig bindet

Nun besitzen wir Dinge in der Regel nicht ewig, aber – zumindest für mich – ist Nachhaltigkeit ein Aspekt, der zum Minimalismus gehört und daher möchte ich Produkte so lange wie möglich benutzen. Prüfe daher vor dem Kauf, ob es sich um ein gut gefertigtes Produkt handelt. Aus welchen Materialien ist das Produkt? Bei Geräten wird oft Plastik verwendet weil es billiger ist, auch wenn es andere Materialien gäbe, die länger halten würden. Bei Kleidung sei kritisch, wie sich das Kleidungsstück anfühlt und trägt. Passt es wirklich? Sitzt es bequem? Fühlst Du Dich wohl?

 

7 Qualität statt Quantität

Du hast mehr Freue mit qualitativ hochwertigen Produkten. Die Kleidungsstücke, die aus hochwertigen Stoffen und nicht in Massenware produziert wurden halten länger. Gebrauchsgegenstände aus hochwertigen Materialen müssen seltener ausgetauscht werden. Geräte können über Jahre und Jahrzehnte benutzt werden, wenn sie qualitativ hochwertig gefertigt sind. Frage dich auch: gibt es eine nachhaltige(re) Alternative? Oft ist man geneigt, zu denken wenns kaputt ist, kaufe ich es einfach neu. Versuche stattdessen, einmal ein qualitativ hochwertiges Produkt zu kaufen, dass Du dann nutzt und nutzt und nutzt.

8 Mach keine Kompromisse

Du hast genau den Pullover gefunden, den Du gesucht hast – nur hat er nicht die Farbe, die Du wolltest. Die Jeans ist perfekt – bis auf den leicht kneifenden Bund. Wie oft hast Du bisher das Kleidungsstück trotzdem gekauft? Also ich für meinen Teil habe diesen Fehler oft gemacht – und mich jedesmal geärgert. Auch wenn es schwer fällt: kaufe nur etwas, wenn es 100% passt. Auch wenn es runtergesetzt ist. Auch wenn es eigentlich perfekt ist. Ich weiß nicht von dem der Spruch ursprünglich stammt, aber ich finde ihn sehr treffend für viele Lebenslagen – auch eine Kaufentscheidung:

“If it’s not a hell yeah, it’s a no!”

 

9 Wiederstehe der Verlockung

Sale. Bald ist es wieder soweit: die Preise sinken und die Verlockung steigt. Aber: nur weil etwas günstiger ist, passt es nicht auf einmal besser zu Dir. Das Küchengerät wird dadurch nicht hochwertiger verarbeitet. Die Jeans sitzt dadurch nicht besser. Wenn das Produkt schon vor der Reduzierung ein wirklicher Kaufkandidat war, dann gratuliere – dann hast Du wirklich ein Schnäppchen gemacht. In allen anderen Fällen nicht. Es ist kein Schnäppchen, wenn Du es nicht brauchst, wenn es nicht zu Dir oder Deinem Leben passt!

 

10 Kaufe für das Hier und Jetzt

Kaufe ausschließlich Dinge, die Du für das Hier und Jetzt brauchst. Dank Online-Shopping kann so ziemlich alles innerhalb von 2-3 Tagen zu Dir geliefert werden. Etwas auf Vorrat oder für den Fall der Fälle zu kaufen ist also unnötig. Die Jeans, die bestimmt perfekt passen wird, wenn Du nur die 2, 5, oder 10 Kilos abnimmst, haben wir bestimmt alle schonmal gekauft. Aber ehrlich. Jedesmal, wenn Du den Kleiderschrank aufmachst, wird Dir diese Jeans zeigen, was Du nicht erreicht hast… Für so etwas willst Du nicht Dein Geld ausgeben. Kaufe nur Kleidungsstücke und Produkte, die zu Deinem tollen Leben im Hier und Jetzt passen!

Hast Du schon einmal bewusst nicht konsumiert?

Was war die letzte Kaufentscheidung, die Du bereut hast?