Ich bin lange um das Thema herumgetanzt. Vielleicht sah es von Außen nicht so aus. Von Innen hat es sich aber so angefühlt. Denn seit der Gründung von Modern Slow gab es eine Regel: sprich nicht über die Arbeit. Weil ich angestellt bin und bestimmte Details nicht ins Internet gehören. Weil ich mir kein Urteil über deine Arbeit erlaube. Weil ich überzeugt bin, dass es keine allgemein gültige Lösung gibt. Denn die Situationen sind so individuell und kompliziert. Und die Regeln in der Arbeitswelt machen meist andere. Im Sinne von mutigen Entscheidungen und verrückten Ideen habe ich aber inzwischen das Gefühl, dass ich Stellung beziehen möchte. Ein Beitrag, den es früher nicht gegeben hätte. Auch ein Beitrag über Regeln und die Erkenntnis, dass wir es nicht allein schaffen.

 

Es geht eben nicht ohne…!

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass wir, wenn wir Frauen über Themen wie Zeitmanagement und Achtsamkeit sprechen, nicht umhin kommen über die Arbeit zu sprechen. Schließlich hat die berühmte Work-Life-Balance zwei Faktoren.

Und wenn wir über Frauen im Job sprechen, dann kommen wir nicht umhin über die Arbeitswelt zu sprechen. Also sprechen wir drüber.

 

 

Ich habe bisher nicht über Arbeit geschrieben, weil es so unheimlich individuell ist.

Und ziemlich emotional – auch wenn wir uns das nicht immer eingestehen. Wer daran zweifelt, verfolge bitte aufmerksam wie Frauen untereinander die Lebensentscheidungen der anderen bewerten.

Die Emotionalität fängt schon bei den Wörtern an.

Karriere – schlechtes Wort. Das klingt nach keine Kinder kriegen, um eine Chance auf den Vorstandsjob oder Senior Management zu haben.

Erfolg – ähnlich schlecht. Suggeriert Karriere, gerne auch das Gehalt.

 

Dabei haben die meisten von uns einen Beruf und Job aus genau diesen Gesichtspunkten gewählt. Es war keine “mir doch egal was ich mache, hauptsache jemand zahlt mir was und ich bin krankenversichert”-Entscheidung.

Du wolltest Erfolg und Karriere. Halt, falsche Wörter. Lass mich das konkreter formulieren:

du wolltest einen Beruf und Job, der dir Freude macht, an dem du wachsen kannst und etwas beiträgst.

Nicht unbedingt Lebenssinn stiftend und allumfassend, aber ein bisschen Erfüllung darf schon sein.

Und anfangs lief das auch ganz gut. Wir haben gute Arbeit gemacht, wurden befördert.

 

Doch mit dem ersten Kind wurde alles anders.

Auf einmal müssen wir anecken. Grenzen ziehen.

Nein, den Termin kann ich nicht wahrnehmen, da ich dann im Mutterschutz sein werde.

Nein, diesen Abendtermin kann ich so kurzfristig nicht wahrnehmen.

Können wir den Termin bitte vor 16.00 Uhr legen?

 

Grenzen ziehen fällt uns so schon oft genug schwer. Aber darum soll es heute nicht gehen.

Sondern darum, WARUM wir mit diesen Grenzen anecken.

 

Wenn ich mich in dem Teil der Wirtschaft, den ich in den letzten 10+ Jahren kennengelernt habe, umschaue, dann ist es kein Problem Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Egal, ob Karriere nun die Jagd auf den Vorstandsposten oder einfach eine spannende Position mit Verantwortung bedeutet.

 

Wie kannst du Work-Life-Balance erreichen? Besseres Zeitmanagement? Nicht solange...

Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist kein Problem.

Alles was du dazu brauchst, ist eine Frau.

Eine Frau, die sich um alles andere außerhalb des Büros kümmert.

 

Wenn ich mich umschaue, dann korreliert die “Vereinbarkeit” von Kind und Beruf mit einem bestimmten Lebensmodell: er macht den Job, sie den Rest.

 

Und um das ganz deutlich zu machen: ich habe kein Problem mit dem Lebensmodell. Es gibt viele Gründe das zu wählen. Und so lange es eine wirkliche Wahl für die beiden Beteiligten war, habe ich kein Problem damit.

Es gibt nicht das eine Lebensmodell, das objektiv besser ist. Es gibt nur das Lebensmodell, das für dich und deine Familie ganz subjektiv richtig ist.

Es geht mir nicht darum, dass alle Frauen Karriere machen MÜSSEN.

 

Ich bin ein Verfechter von freier Wahl.

Wenn du aus ganzem Herzen zu Hause bei deinen Kindern sein möchtest, dann unterstütze ich dich dabei aus ganzem Herzen.

 

Was mich wütend macht, ist wenn du arbeiten willst- und die Herausforderung mit der Kinderbetreuung geklärt hast – in einem Umfeld arbeitest, dessen Regeln nur noch bedingt mit deinem Lebensmodell übereinstimmen.

 

“Gute Arbeit” sollte ein Ausdruck von Qualität sein.

Oft genug vermischt sich das aber mit Kriterien, die leicht messbar sind, aber nur bedingt mit “guter Arbeit” zusammenhängen: Präsenzzeit, generell lange Arbeiten, die Bereitschaft, auch mal kurzfristig in den Flieger zu steigen.

 

Und genau das ist, was das Grenzen ziehen so schwer macht.

Weil man sich gefühlt – oder in manchen Unternehmen auch tatsächlich – Wege verbaut, die man gerne gegangen wäre.

Weil man gefühlt – oder in manchen Unternehmen auch tatsächlich – eine Anomalie ist.

Weil man manchmal einfach keine Lust hat, für etwas zu kämpfen, was doch keine große Sache sein sollte.

 

All das betrifft natürlich auch Männer.

Männer, die “früher” gehen, die Arbeitszeit reduzieren wollen, oder einfach ein anderes Arbeitsmodell wünschen, stehen oft vor den gleichen Herausforderungen.

 

Und oft steckt hinter den Regeln, hinter den Kommentaren gar keine Bösartigkeit. Sondern einfach Unwissenheit über die Realität des anderen.

 

Es wird Zeit, dass wir die Regeln brechen und miteinander reden.

 

Werde eine von uns!

Mockup ressources

Erhalte jede Woche persönliche Inspiration und Tipps, um dein Leben nach deinen Prioritäten zu gestalten.


Als Teil der Modern Slow Community erhältst du auch Zugriff auf die Modern Slow Ressourcen-Plattform mit Workbooks, Online-Kursen, und vielem mehr.

Du trägst Dich für den Modern Slow Newsletter ein. Sollten Dir die Inhalte nicht gefallen, kannst Du Dich jederzeit wieder austragen. Powered by ConvertKit

 


Der Vollständigkeit halber sei erwäht, dass ich meine Regel das erste Mal schon vor einem Monat auf Instagram gebrochen habe. Die Gespräche in den Kommentaren und Nachrichten stimmen genau darin überein: Lasst uns drüber reden!

Dieses Thema lässt sich unmöglich in einem Artikel bewältigen.

Eine weitere und absolut lesenswerte Sicht auf die Rolle der Männer in diesem ganzen Vereinbarkeitskarussell beschreibt Andrea in diesem Artikel, den ich dir wirklich sehr ans Herz legen möchte.

 

Wenn du einen Beitrag zu diesem Thema empfehlen kannst, dann schreib uns gerne hier in den Kommentaren oder per Email.