Warum es bei uns trotz Minimalismus oft unordentlich ist

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Wenn wir an eine Wohnung nach dem Ausmisten denken, dann sehen wir etwas was auf Pinterest wohl mit den Keywords minimalistisch und skandinavisches Design versehen wäre. Doch weit gefehlt. Zumindest, was unsere Wohnung angeht. Ja, unsere Einrichtung ist eher minimalistisch – Dekoartikel sucht man bei uns eigentlich vergeblich. Aber vollkommen leere Oberflächen wie auf dem Foto von unserem Esstisch oder gestylte Arrangements wie aus der Schöner Wohnen oder AD sind bei uns dennoch eine Seltenheit. In diesem Beitrag erfährst Du warum es bei uns oft unordentlich ist – und warum diese Unordnung für mich in Ordnung ist. Dieser Beitrag ist kein flammendes Manifest dafür althergebrachte Rollenbilder über den Haufen zu werfen. Es ist auch kein Appell, doch weniger Zeit mit der Hausarbeit zu verbringen. Dieser Beitrag ist eine Einladung darüber nachzudenken, ob wir dem schlechte Gewissen,das uns regelmäßig plagt, weil unser Zuhause so viel aufgeräumter, so viel schöner sein könnte, wirklich Aufmerksamkeit schenken sollten.

Warum es bei uns trotz Ausmisten oft unordentlich ist

Nein, das Ziel ist es nicht mit Bildern und Beschreibungen zu schockieren. Bei uns ist es nicht messy, nicht dreckig oder verschmutzt. Aber – und das mag dennoch ein wenig kontrovers sein – es ist auch mal unordentlich und den Finger-Staubtest sollte man auf unseren Regalen besser nicht machen…

Die Wunschvorstellung wäre so schön…

Nun ist dieser Zustand nichts, was ich (oder wir) geziehlt herbeiführen. Natürlich fände ich eine aufgeräumte und gestylte Wohnung toll. Pinterest hält Unmengen an Inspiration bereit und ich werde nicht müde, mich an schön designten und aufgeräumten Wohnungen zu erfreuen.

Die Realität in unserer Wohnung sieht anders aus. Dank Ausmisten hält sich das Chaos in Grenzen und ich versuche auch die Regel von Marie Kondo (jedes Objekt braucht einen Platz) umzusetzen. Aber dennoch. Die Wunschvorstellung ist doch ein ziemliches Stück entfernt…

Grund 1: Wir haben ein Kind

Ein Kind zu haben vergrößert den Haushalt ganz ordentlich – auch wenn man sich Mühe gibt und versucht nur ganz bewusst und nach Bedarf einzukaufen. Die Zahl an Spielsachen versuchen wir möglichst sinnvoll zu gestalten. Dank Toy Rotation klappt das auch sehr gut – und es liegt nie alles in unserer Wohnung verteilt. Kinder bedeuten aber auch, dass es einen weiteren Mitbewohner gibt. Und der findet es klasse, dass ein Teil des Regals ihm gehört. So räumt unser Zweijähriger sehr gerne auf – wie jeder Zweijährige findet er alles großartig, solange er es selbst machen kann und darf. Aber seien wir ehrlich: wenn ein Zweijähriger aufräumt, sieht das anders aus, als wenn ich das tue. Der Stapel an Büchern ist dann eben ein wenig schief. Und wahrscheinlich liegt noch ein zerknitterter Papierflieger dazwischen. Und die Legotiere liegen nicht in der dafür vorgesehenen Kiste, sondern stehen – mal in Reih und Glied, mal ganz verstreut – neben den Büchern. Ja, wenn ich aufräumen würde, würde es so viel ordentlicher aussehen. Aber das tue ich nicht. Ich finde es großartig zu sehen, welche Freude es ihm macht, selbst aufzuräumen. Mir persönlich ist das mehr wert als das farblich abgestimmte Shelf Design.

Warum es bei uns trotz Minimalismus oft unordentlich ist - und das für mich in Ordnung ist. | modernslow.com

Grund 2: I’m busy doing other things

Das klingt wie eine Ausrede. Ich selbst bin kein Fan von busy und dem regelrechten Zelebrieren von Busy-ness. Aber zwischen Vollzeit-Job, Kind und Mann, Familie und Freunden, Zeit für mich, für meine Gesundheit und Modern Slow, bleibt realistisch betrachtet tatsächlich nicht viel Zeit. Haushaltsaufgaben sind für mich Randbeschäftigungen. Ja, ein gewisses Maß an Sauberkeit und Ordnung ist notwendig – und dank Ausmisten ohne großen Zeitaufwand machbar. Aber alles was darüber hinaus geht, würde Zeit von den Tätigkeiten abziehen, die mir wirklich wichtig sind. Selbst die Abende, die für Haushaltstätigkeiten reserviert sind, versuche ich für wichtige und dringende Dinge, wie den Geschirrspüler befüllen und Wäsche waschen, und dann für Familienprojekte, wie z.B. ein Fotoalbum zu unserem Japanurlaub, zu nutzen – und eben nicht für umfassende Putz- oder Aufräumaktionen.

Grund 3: Es ist schlichtweg keine Priorität

Nun, seien wir ehrlich. Wenn mir etwas wichtig ist, dann finde ich die Zeit. Ich finde die Zeit jeden Tag Yoga zu machen. Ich finde die Zeit zu lesen. Ich finde die Zeit für Modern Slow. Ich finde die Zeit jeden Tag gesund zu kochen. Ich finde die Zeit, wirklich präsent zu sein, wenn ich Zeit mit meinem Sohn verbringe. Ja, ich schätze es, dass wir weniger besitzen und so unsere Wohnung ein gewisses Maß an Ordnung ausstrahlt, ohne dass ich extra aufgeräumt habe. Aber mir ist es einfach nicht wichtig genug, dass unsere Wohnung picobello aussieht, dass nichts herumliegt und kein Staubkörnchen auf den Regalen oder dem Fernseher zu finden ist. Ich fände es schön, wenn es so wäre. Aber ich bin einfach nicht bereit meine Zeit oder mein Geld zu investieren, um diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Wenn ich ehrlich bin, dann ist eine vollkommen ordentliche Wohnung einfach keine Priorität. Das schöne: seitdem ich mir das selbst eingestanden habe, habe ich auch deswegen kein schlechtes Gewissen mehr.

So wird unsere Wohnung also weiterhin ein wenig unordentlich aussehen, und ja, bevor Besuch kommt, werden mein Mann und ich versuchen, im Schnellverfahren alle Wollmäuse einzufangen. Und das ist in Ordnung.

Wie viel Zeit verwendest Du um aufzuräumen?

Hast Du Tricks, die das Aufräumen leichter gestalten?

Welche Rolle spielt Ordnung für Dich?

Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zur Ordnung. Ich liebe aufgeräumte, minimalistische Flächen. Aber Aufräumen ist für mich immer das To Do, dass ich als erstes von der Liste streiche, um meinen Prioritäten – Familie, Gesundheit, Job und Selbstverwirklichung – mehr Zeit zu verschaffen. Deshalb hatte wohl das umfassende Ausmisten auch so eine unheimlich positive Wirkung auf mich. Dank Ausmisten ist der Unordnung eine natürliche Grenze gesetzt…

 

Katharina

Katharina hilft Dir, Dein Leben bewusst zu leben, so dass Du es in vollen Zügen genießen kannst. Auf Modern Slow schreibt Katharina über all das was zu einem einfachen und bewussten Leben im Hier und Heute gehört. Ohne Esoterik, ohne Dogmatik, dafür mit Herz und echten Erfahrungen.

3 Comments

  1. Michaela

    Für mich ist Ordnung sehr wichtig. Gerade in einer Welt, in der immer mehr das Chaos zu regieren scheint und nichts mehr wirklich sicher ist, gibt es mir ein gutes Gefühl wenigestens über mein persönliches Umfeld (bezieht sich jetzt ausschließlich auf den Wohnraum – also keine Angst 🙂 ) die Kontrolle zu haben.
    Da es bei mir immer ordentlich ist, brauche ich eigentlich keine/wenig Zeit zum Aufräumen. Einen kompletten Wohnungsputz (3 Zimmer, 80 m²) hab ich inkl. Bad und WC-Reinigung in einer Stunde erledigt. Viel freie Fläche, lässt sich halt schnell sauber machen. Auch ich gehöre zu denen, die die Sachen nach Gebrauch wieder an ihren Platz legen. Ein Handgriff ist ein Handgriff. Etwas irgendwo abzulegen um es später wegzuräumen, macht im Endeffekt mehr Arbeit.
    Was das ganze natürlich ungemein erleichtert – ich hab keine Kinder 😉

    Zum Minimalismus selbst hab ich ein etwas gespaltenes Verhältnis. Ich habe viele CDs, Bücher und auch DVD’s – allerdings alles so untergebraucht, dass keine “Unruhe” entsteht. Klar kann man alles streamen und downloaden – aber das möchte ich nicht. Ich blättere gerne um beim Lesen und wenn ich mir meine Filmsammlung ansehe, entdecke ich immer wieder einen Schatz, den ich schon fast vergessen habe und genieße es sehr mich wieder darin zu vertiefen. Selbst dann, wenn ich die DVD länger als ein Jahr nicht in der Hand hatte 😉
    Meine Wohnung sagt etwas über mich aus – wer sie betritt, soll erkennen was für ein Mensch darin lebt – wo meine Interessen liegen, welchen Geschmack ich habe. Das ist mir wichtig. Eine Umgebung wie aus dem Katalog würde mich nicht reizen. Hardcore-Minimalist wird aus mir bestimmt keiner – dieses Schema wäre mir zu eng. Ich hab da meinen eigenen Rahmen gefunden, in dem ich mich puddelwohl fühle 🙂

    • modernslow

      Liebe Michaela,
      vielen Dank, dass Du uns einen Einblick gewährst. Ich finde es immer wieder schön zu sehen, welche individuellen Wege es gibt, um zufrieden mit seinem Besitz zu sein.
      Freie Flächen sind in der Tat eine unheimliche Erleichterung, nur das mit dem immer zurücklegen klappt bei uns leider nicht so gut. 😉
      Viel wichtiger als eine bestimmte Anzahl an Dingen, ist es meiner Meinung nach die richtigen Dinge zu besitzen. Wenn Dir all Deine CDs, Bücher und DVDs Freude bereiten, dann hast Du ja Dein Gleichgewicht gefunden!
      Liebe Grüße
      Katharina

  2. Das Problem ist bekannt. Problematisch ist besonders der wenige Stauraum der beim minimalistischen Einrichtungsstil ja ohnehin begrenzt ist.
    Beste Grüße,
    Jana

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