Es ist schwierig im Nachhinein zu sagen, wann und wo mein Weg zu einem einfacheren und bewussteren Leben begann. Solch grundlegende Ideen hat man oft eine ganze Zeit im Kopf bevor der Aha-Effekt einsetzt. Mein Aha-Erlebnis war definitiv das Ausmisten im Sommer 2015. Ich habe kisten- und säckeweise Bücher, Kleidung und Haushaltswaren entsorgt, gespendet und verkauft. Dieses Gefühl der Leichtigkeit und Freiheit war großartig und hat mich weiter darin bestärkt, mein Leben zu vereinfachen. Das Ausmisten hatte bei weitem nicht das Ziel unseren Haushalt auf 100 Dinge zu reduzieren. Aber es war ein großer Schritt zu einem einfacheren Leben. Wenn auch diese Erfahrung unheimlich beflügelnd und erkenntnisreich war, so war es nicht die erste. In diesem Beitrag erfährst Du von einem für das Ausmisten prägenden Erlebnis und ich gehe der Frage nach, ob mich unser Ausmisten zu einem Minimalist macht.

 

Das Minimalismus-Experiment

Vor inzwischen 5 Jahren haben mein Mann und ich für ein Jahr ein Sabbatical eingelegt. Der Plan: ein Jahr in Holland leben und nochmal studieren. Wir haben also unsere Wohnung gekündigt, unseren Hausstand in Kisten gepackt, die Kisten bei unseren Eltern eingelagert, und sind in eine kleine Wohnung in Holland gezogen. Mitgenommen haben wir nicht viel – schließlich war von Anfang an klar, dass wir nur für ein Jahr umziehen. Also haben wir nur die wichtigsten Sachen eingepackt: ein Bett, einen Schrank, eine Kommode, zwei Schreibtische (wer braucht schon eine Couch), unsere Kleidung und unsere wichtigen Dokumente. Das wars. Keine Deko, keine Bücher, DVDs oder Dinge, die man eben so über die Zeit in seiner Wohnung ansammelt. Was uns unheimlich überrascht hat war, dass wir während unseres Aufenthalts nichts vermisst haben von dem was wir zurückgelassen hatten. Aber die wirkliche Überraschung kam für uns erst nach unserer Rückkehr.

 

Weniger ist mehr

Mit einem kleinen Hausstand umzuziehen und zu leben fühlte sich unheimlich gut, so frei an. Damit hatten weder mein Mann noch ich gerechnet. Im Gegenteil, wir hatten im Vorfeld des Umzugs oft gehadert, ob wir wirklich keine Bücher und DVDs mitnehmen wollten. Letztendlich haben wir uns aus rein pragmatischen Gründen dagegen entschieden. Wir hatten einfach keine Lust noch mehr Kisten schleppen zu müssen.

Die wirkliche Überraschung wartete aber auf uns nach unserer Rückkehr, als wir die Kisten von unseren Eltern abholen wollten, um sie in unsere neue Wohnung – wieder in Deutschland – umzuziehen.

Nein, die Kisten sind weder einem Brand, noch einem Wasserschaden oder einem feuchten Keller zum Opfer gefallen. Im Gegenteil, alles war noch so wie wir es zurückgelassen hatten. Mit einem Unterschied: wir hatten vergessen was in den Kisten war. Als wir uns Stück für Stück durch die Kisten gearbeitet haben, hatten wir immer wieder die gleiche Reaktion:

“DAS gehört uns?!?”

Wie wird man Minimalist? Welche Schritte habe ich gemacht, um zu einem einfacheren und bewussteren Leben zu gelangen? Und bin ich jetzt ein Minimalist? | www.modernslow.com

Der Aha-Moment … oder doch nicht?!?

Diese Erkenntnis war so eindrucksvoll, dass ich mich noch heute an das Gefühl erinnern kann, das ich verspürt habe, als ich die Umzugskisten nach einem Jahr wieder öffnete. Und gleichzeitig war dieses Erlebnis so unbedeutend, denn wir haben die Kisten – so wie sie waren – in unsere neue Wohnung umgezogen. Dort war schließlich so viel Platz…

Diese Idee mit weniger zu leben hat sich nach unserem Sabbatical in meinen Kopf eingebrannt, aber ich hielt sie nie umsetzbar. Umsetzbar für mich. Bis es letztes Jahr dann doch Klick gemacht hat, und ich verstanden habe, dass ich dieses Gefühl der Leichtigkeit sehr wohl in meinem Leben, in meinem Alltag erreichen kann. In meiner Wohnung findest Du deutlich mehr als ein Bett, einen Schrank, eine Kommode und unsere wichtigen Dokumente. Aber mein großes Ausmisten hat einen deutlichen Unterschied gemacht. Ironie der Geschichte: die meisten Dinge, die wir vor 5 Jahren nicht mit nach Holland genommen haben, besitzen wir inzwischen tatsächlich nicht mehr.

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Bin ich ein Minimalist?

Gute Frage.

Ich würde mich persönlich, nicht als Minimalist beschreiben. Ich habe nicht das Bedürfnis, mir einen Stempel aufzudrücken, nur um des Stempels willen. Noch dazu mit einem Begriff, der bei jedem unterschiedliche Erwartungen weckt. Gibt es eine Grenze an Stücken, die man besitzen darf, um noch als Minimalist zu gelten? In wieviele Kisten muss mein Leben passen, damit ich als Minimalist gelte?

Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass mich diese Fragen weiterbringen. Ich bin mir sicher, dass in unserer Wohnung  noch einige Dinge schlummern, die wir nicht benutzen und die meinem Leben auch keinerlei Mehrwert bringen. Ein einfacher und bewusster Lebensstil ist eine Entscheidung, die Du jeden Tag triffst. Du kannst keinen Schalter umlegen, und bist ein Minimalist. Und was meiner Meinung nach noch viel entscheidender ist: die Wohnung ausmisten ist nicht genug. Nach einem einfacheren und bewussten Leben zu streben ist eine Einstellung, die sich in Deinem täglichen Tun und Denken widerspiegelt.

 

Was motiviert Dich nach einem einfacheren Leben zu streben?

Hast Du schon einmal richtig ausgemistet?

Was stellt für Dich das größte Hindernis dar, auf dem Weg zu einem einfacheren Leben?