Warum Ausreden eine schlechte Idee sind

Du hast keine Zeit für Ausreden."Das mache ich später" raubt Dir am Ende vielleicht die Möglichkeit... | modernslow.com

Wir leben unser Leben ein bisschen wie in einer eigenen Welt. Der vertraute Tagesablauf, der immer gleiche Weg zur Arbeit, die immer gleichen Gedanken über den Autofahrer vor uns, die Kollegen, den Partner, uns selbst. Einer dieser sich wiederholenden Gedanken ist: “Keine Zeit. Das mache ich später.” Wenn ich mehr Geld habe, wenn das Leben weniger stressig ist, wenn ich endlich Urlaub nehme, wenn ich in Rente bin. Ja, ich bin der Meinung, dass dieser Gedanke vollkommener Stuss ist. Dass Du Zeit hast. Und dass das Zeitmangeldenken eigentlich eine riesige Chance für Dich ist. Aber letzte Woche musste ich erkennen, dass an dem Gedanken “keine Zeit” ein Funke Wahrheit steckt.

Diese Wahrheit ist: Du hast keine Zeit für Deine Ausreden.

Ja, es gäbe immer einen besseren Moment. Der Urlaubsantrag für 3 Wochen stellt sich leichter, wenn man dem Chef gleichzeitig die eigene Leistung zeigen kann. Mehr Geld macht so ziemlich jede Situation angenehmer. Und Ausflüge, Coffee-Dates mit Freunden oder das Buch, das Du schon immer schreiben wolltest, sind leichter in Deinen Tag einzubauen, wenn Du weniger Stress oder den besagten Urlaub hast.

Aber dieser bessere Moment trügerisch. Denn besser geht immer. Und wenn Du wartest, wenn Du es Dir gemütlich machst, mit Deiner Ausrede “jetzt ist keine Zeit dafür”, verlierst Du am Ende die Möglichkeit.

Letzte Woche ist vollkommen unerwartet meine Schwiegermutter gestorben. Die Details zu ihrer Person und ihrem Tod spielen hier keine Rolle. Aber wenn auch ihr Tod keinen Sinn macht und eine riesige Lücke in unserer Familie hinterlässt, so sehr hoffe ich, dass wir alle diesen Weckruf vernehmen. Wir wissen nicht wieviel Zeit uns und unseren Liebsten bleibt. Der Gedanke macht Angst. Sehr viel Angst.

Aber so sehr wir es auch wünschen, diese Realität, dieser Zeitpunkt in der Zukunft, liegt immer außerhalb unserer Kontrolle. Es ist einfacher, dieser Angst nicht ins Auge zu sehen, die Möglichkeit zu ignorieren und einfach so weiterzumachen.

Aber tun wir nicht so, als hätten unsere Ausreden keinen Preis.

“Jetzt ist keine Zeit dafür” bringt Dich vielleicht gänzlich um die Möglichkeit. “Jetzt ist keine Zeit” kostet Dich eine Erinnerung. “Jetzt ist keine Zeit” führt vielleicht in naher oder ferner Zukunft zu “Hätte ich doch nur…”

Und genau da drehen wir uns im Kreis. Unser Tag hat nur 24 Stunden, wir können nur in einem bestimmten Umfang leisten und manche Wünsche sind logistisch einfach nicht realisierbar. Ständig das Gefühl zu haben, mehr tun zu müssen, noch mehr in unseren Tag zu pressen, an Terminen, an Treffen, an To Dos ist gefährlich.

Was bleibt ist das Streben.

Nicht in der eigenen Komfortzone zu verharren und eine Möglichkeit zu verspielen, die eigenen Träume umzusetzen. Sich Zeit zu nehmen, für die wichtigen Dinge. Zeit zu nehmen, für die wichtigen Leute in unserem Leben.

Irren ist menschlich und wir werden Fehlentscheidungen treffen. Wir können uns nur immer wieder daran erinnern, uns darauf besinnen, was zählt. Wir können uns nur immer wieder vor Augen halten, dass “jetzt ist keine Zeit” eine Ausrede ist. Und dass die Konsequenz dieser Ausrede, die leider immer im Raum steht, wenn sie denn eintritt, in ihrer Absolutheit nur sehr schwer zu begreifen ist:

Nie.

 

 

4 Comments

  1. Liebe Katharina,

    das Wort “Später” ist mir auch bereits 2x in meinem Leben unwiederuflich zum Verhängnis geworden. Aus “Ich rufe später an, jetzt nicht…” wurde bereits 2x ein “Ich kann nie wieder anrufen.” Schrecklich ist das und zugleich dann auch unser Leben.
    Seit dem versuche ich, so oft mir bewusst wird, dass ich wieder ein “Später” zücken will, bewusst dagegen zu halten, und daraus ein “Jetzt” zu machen. Und dieses “Jetzt” muss gar nicht lange sein; aber es hilft, das daraus kein Nie wird…

    Ich umarme dich ganz fest. <3

    • modernslow

      Liebe Sunray,
      vielen lieben Dank für Deine Offenheit.
      Je mehr wir uns über die Konsequenz bewusst sind, desto mehr können wir versuchen die richtige Entscheidung zu treffen.
      Und ja, es muss nicht lange sein. Aber ein bewusster Moment ist so viel Wert, wenn man auf einmal nicht mehr die Möglichkeit hat.
      Alles Liebe
      Katharina

  2. Liebe Katharina,

    dein Post hier hat mich – wie auch viele andere hier auf dem Blog – sehr nachdenklich gestimmt und auch berührt. Du hattest es ja auch schon an anderer Stelle erwähnt: Für alles reicht die Zeit einfach nicht. Selbst wenn wir gute Lösungen finden, um Alltagsdinge zu vereinfachen, zu routinieren, sie besser mit dem Partner / der Familie zu planen. Im Kopf sprudeln ständig neue Ideen und dann meldet sich zu allem Überfluss noch der eigene Perfektionismus, dass man etwas nicht nur gut, sondern auch besser schaffen kann. Zeit wird immer eine Mangelware bleiben und ob man sie richtig einsetzt, wird man nie ganz genau wissen. Es bleibt, wie du schreibst, ein Streben, sie gut zu nutzen. Für Menschen, die uns am Herzen liegen, und für Herzensprojekte.

    Dir und deinen Lieben wünsche ich ganz viel Zusammenhalt für diese schwere Zeit.

    Viele Grüße
    Susann

    • modernslow

      Vielen lieben Dank Susann für Deine herzlichen Worte!
      Du hast es sehr schön auf den Punkt gebracht: “Zeit wird immer eine Mangelware bleiben und ob man sie richtig einsetzt, wird man nie ganz genau wissen.”
      Alles Liebe
      Katharina

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